Dachreiter
Auch: Dachtürmchen · Glockenreiter
Ein Dachreiter ist ein schlanker, meist symmetrisch auf dem Dachfirst „reitender" Aufbau, der typischerweise Glocken, Uhren oder technische Einrichtungen wie Lüftungsöffnungen aufnimmt.
Ausführliche Erklärung
Der Dachreiter ist historisch vor allem von Kirchen, Kapellen, Rathäusern und Schulgebäuden bekannt, findet sich aber auch an repräsentativen Wohn- und Gutshäusern. Im Unterschied zum Türmchen, das oft an der Traufe oder Gebäudeecke sitzt, thront der Dachreiter zentral auf dem First und wirkt wie ein aufgesetzter kleiner Turm. Konstruktiv ruht er auf dem Dachstuhl bzw. einer verstärkten Firstpfette und muss statisch auf zusätzliche Lasten (Eigengewicht, Windlast) ausgelegt sein.
Für die Immobilienbewertung ist der Dachreiter relevant, wenn er Teil der historischen Bausubstanz ist: Bei denkmalgeschützten Gebäuden unterliegt seine Erhaltung, Sanierung oder ein Rückbau den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde. Bei Sanierungen ist zudem zu prüfen, ob der Dachreiter Feuchtigkeitseintritt begünstigt (Anschlussdetails, Dachdurchdringung), was bei der Zustandsbewertung im Rahmen einer Objektbesichtigung zu berücksichtigen ist.
Beispiel aus der Praxis
Ein ehemaliges Schulhaus mit markantem Dachreiter und Glockenaufbau wird zu Wohnzwecken umgebaut; der Dachreiter bleibt aus Denkmalschutzgründen erhalten und wird in der Vermarktung als architektonisches Highlight beworben.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle bundesweite Rechtsgrundlage; bei denkmalgeschützten Objekten gelten die Denkmalschutzgesetze der Länder, ansonsten die allgemeinen Vorschriften der jeweiligen Landesbauordnung.