Aufsteigende Feuchtigkeit

Auch: Kapillarfeuchte · kapillar aufsteigende Feuchte · kapillare Feuchtigkeit

Aufsteigende Feuchtigkeit ist Wasser, das durch Kapillarkräfte im porösen Mauerwerk von unten – meist aus dem Erdreich über das Fundament – nach oben wandert. Ursache ist in der Regel eine fehlende, beschädigte oder nie eingebaute Horizontalsperre, häufig bei älteren Gebäuden.

Ausführliche Erklärung

Für Makler zählt aufsteigende Feuchtigkeit zu den klassischen Altbau-Mängeln, die bei der Besichtigung erkannt und richtig eingeordnet werden sollten:

  • Erkennungsmerkmale: Feuchte Flecken im unteren Wandbereich (meist bis 1 m Höhe), abblätternde Farbe/Putz (Abblätternde Farbe), Salzausblühungen (weiße kristalline Ablagerungen durch gelöste Baustoffsalze), muffiger Geruch, in fortgeschrittenen Fällen Schimmelbildung.
  • Ursachen: Fehlen einer Horizontalsperre (häufig bei Gebäuden vor ca. 1960), Materialermüdung vorhandener Bitumen- oder Folienabdichtungen, Rissbildung im Sockelbereich, aufgeschüttetes Erdreich über der Sperrschicht, fehlende oder verstopfte Drainage.
  • Prüfmethoden: Feuchtemessung mit Datenlogger oder Darr-Methode (genaueste, aber zerstörende Probeentnahme), Widerstandsmessgeräte (indikativ, ungenauer bei salzbelasteten Wänden), Bauteilöffnung zur Sichtprüfung der vorhandenen Abdichtung.
  • Sanierungsverfahren: Mechanische Verfahren (nachträglicher Einbau einer Horizontalsperre durch Mauersäge- oder Rammverfahren), chemische Verfahren (Injektion von Silan-/Siloxanharzen in Bohrlöcher), elektrophysikalische Verfahren (Wirksamkeit in der Fachwelt umstritten), sowie flankierend Sanierputz zur Aufnahme von Salzen.
  • Praxisrelevanz: Aufsteigende Feuchtigkeit ist ein häufiger Streitpunkt bei Gewährleistungsfällen nach Immobilienkauf. Makler sollten bei entsprechenden Anzeichen auf ein Feuchtegutachten hinweisen, statt eine eigene Ferndiagnose abzugeben, und den Befund im Exposé bzw. gegenüber Interessenten nicht verschweigen.

Beispiel aus der Praxis

In einem 1938 erbauten Haus zeigen sich im Erdgeschoss durchgehend feuchte Wandsockel mit Salzausblühungen. Ein Sachverständiger stellt per Widerstandsmessung erhöhte Feuchtewerte fest und empfiehlt eine nachträgliche Horizontalsperre per Injektionsverfahren, veranschlagt mit rund 8.000 Euro für die betroffenen Außenwände.

Rechtsgrundlage

  • DIN 18533 – aktuelle Norm zur Abdichtung erdberührter Bauteile gegen Bodenfeuchte und aufsteigendes Wasser; hat die frühere DIN 18195 (Teile 4–6) seit 2017 für diesen Anwendungsbereich abgelöst.
  • § 434 BGB – Ein bekannter, nicht offenbarter Feuchtigkeitsschaden kann einen Sachmangel beim Immobilienkauf begründen.

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