Cradle to Cradle
Auch: C2C · Cradle-to-Cradle-Prinzip
Cradle to Cradle ("von der Wiege zur Wiege") ist ein Gestaltungsprinzip für echte Kreislaufwirtschaft: Materialien werden so ausgewählt und verbaut, dass sie am Ende ihrer Nutzungsdauer ihre stoffliche Qualität behalten und vollständig als Ausgangsstoff für neue Produkte dienen können – im Unterschied zum bloßen Downcycling, bei dem Materialien nur mit sinkender Qualität weiterverwendet werden.
Ausführliche Erklärung
Im Bauwesen bedeutet das Cradle-to-Cradle-Prinzip, dass eingesetzte Baustoffe und -produkte schadstofffrei und gesundheitlich unbedenklich sind, sich sortenrein trennen lassen und nach dem Rückbau eines Gebäudes wieder als hochwertiger Rohstoff zur Verfügung stehen – statt am Ende ihres Lebenszyklus zu Abfall zu werden. Anders als bei gesetzlich vorgeschriebenen Normen ist Cradle to Cradle kein gesetzliches Erfordernis, sondern ein freiwilliges Gestaltungs- und Zertifizierungskonzept: Einzelne Bauprodukte können vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute nach ihren toxikologischen Eigenschaften, ihrer Recyclingfähigkeit sowie nach Kriterien zu Energie, Wasser und sozialer Verantwortung bei der Herstellung bewertet und in mehreren Qualitätsstufen zertifiziert werden. Eine Zertifizierung ganzer Gebäude nach Cradle to Cradle gibt es dagegen nicht – zertifiziert werden einzelne Materialien und Bauprodukte.
Für Projektentwickler und Bauherren ist das Prinzip vor allem im Zusammenhang mit ambitionierten Nachhaltigkeitszielen relevant, etwa bei Vorzeigeprojekten, die auf zirkuläres Bauen setzen, oder bei der Erstellung eines Gebäuderessourcenpasses, der die spätere Wiederverwertbarkeit der verbauten Materialien dokumentiert. In der breiten Bau- und Immobilienpraxis spielt Cradle to Cradle bislang eine kleinere Rolle als etablierte Nachhaltigkeitszertifizierungen wie DGNB oder BREEAM, gewinnt aber im Zuge der Kreislaufwirtschaftsdebatte an Bedeutung.
Beispiel aus der Praxis
Ein Projektentwickler wählt für die Fassade eines Bürogebäudes ein nach Cradle to Cradle zertifiziertes Aluminiumsystem, dessen Bestandteile sich am Ende der Nutzungsdauer vollständig trennen und in gleicher Qualität wieder einschmelzen lassen, statt als minderwertiger Schrott zu enden.
Rechtsgrundlage
Keine gesetzliche Grundlage. Cradle to Cradle ist ein privates, freiwilliges Gestaltungs- und Zertifizierungskonzept des Cradle to Cradle Products Innovation Institute, keine staatlich vorgeschriebene Norm.