Fallstrang

Auch: Abwasserfallstrang · Fallleitung

Der Fallstrang ist die senkrechte Abwasserleitung eines mehrgeschossigen Gebäudes, die das Schmutzwasser aus den einzelnen Etagen (Bad, Küche, WC) sammelt und nach unten zur Grundleitung im Keller ableitet.

Ausführliche Erklärung

Fallstränge verlaufen üblicherweise in einem eigenen Installationsschacht durch alle Geschosse und münden im Keller in die Grundleitung, die das Abwasser zum öffentlichen Kanal oder zur Kleinkläranlage führt. Damit kein Unterdruck entsteht, der die Wasserverschlüsse (Siphons) der Sanitärobjekte leerzieht, wird der Fallstrang über Dach als Lüftungsleitung fortgeführt (Dachlüfter) oder über einen Unterdruckbelüfter (Fallstranglüfter/Druckminderer) belüftet.

Für Makler praxisrelevant:

  • Materialalter und Zustand: In Altbauten bestehen Fallstränge häufig noch aus Grauguss; Korrosion, Wurzeleinwuchs oder Verkalkung können zu Undichtigkeiten, Geruchsbelästigung oder Rückstau führen. Eine Kamerabefahrung (Kanal-TV) gibt Aufschluss über den Zustand.
  • Sanierungsmethoden: Bei Schäden kommt neben dem kompletten Austausch auch die grabungsfreie Rohrsanierung (Inlinerverfahren) infrage, die besonders bei Fallsträngen in bewohnten Gebäuden mit geringem Eingriff verbunden ist.
  • Geräuschentwicklung: Ungedämmte Fallstränge (v. a. aus Kunststoff/PE-HD) können störende Fließgeräusche in angrenzenden Räumen verursachen – ein häufiges Mängelthema bei Eigentumswohnungen.
  • Zugänglichkeit: Bei Eigentumswohnungen gehört der Fallstrang in der Regel zum Gemeinschaftseigentum, auch wenn er durch eine einzelne Wohnung verläuft; Instandhaltungskosten werden über die Eigentümergemeinschaft getragen.
  • Rückstauschutz: Bei Gebäuden mit Räumen unterhalb der Rückstauebene muss der Fallstrang bzw. die anschließende Leitung mit einer Rückstausicherung ausgestattet sein.

Beispiel aus der Praxis

Bei einem Mehrfamilienhaus aus den 1950er-Jahren beschweren sich Bewohner der unteren Etagen über wiederkehrende Verstopfungen im Fallstrang. Eine Kanal-TV-Untersuchung zeigt starke Ablagerungen im alten Grauguss-Rohr; die Eigentümergemeinschaft beschließt eine Sanierung mittels Inlinerverfahren.

Rechtsgrundlage

  • DIN 1986-100 – Technische Regeln für Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke in Deutschland.
  • DIN EN 12056 – Europäische Norm zur Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden (Bemessung, Be- und Entlüftung von Fallsträngen).

Verwandte Begriffe