GNSS-Vermessung

Auch: GPS-Vermessung · Satellitenvermessung

Die GNSS-Vermessung (Global Navigation Satellite System) nutzt Signale von Navigationssatelliten – etwa des US-amerikanischen GPS, des europäischen Galileo oder des russischen GLONASS –, um Punkte im Gelände zentimetergenau zu positionieren. Sie ist heute das Standardverfahren für viele Vermessungsarbeiten im Liegenschaftskataster.

Ausführliche Erklärung

GNSS steht als Oberbegriff für alle satellitengestützten Ortungssysteme; „GPS-Vermessung" ist der umgangssprachlich geläufigere, aber technisch engere Begriff (GPS ist nur eines von mehreren Systemen). In der amtlichen Vermessung wird in Deutschland überwiegend das satellitengestützte Positionierungsdienst SAPOS (Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung) genutzt, das über ortsfeste Referenzstationen Korrektursignale liefert und so eine Genauigkeit im Zentimeterbereich (RTK-Verfahren, Real Time Kinematic) ermöglicht.

Vorteile gegenüber klassischen Verfahren (Tachymeter, optische Vermessung):

  • Schnellere Feldarbeit, da keine direkte Sichtverbindung zwischen Messpunkten nötig ist.
  • Wirtschaftlich effizient bei größeren Flächen oder weit auseinanderliegenden Grenzpunkten.
  • Direkte Georeferenzierung im amtlichen Koordinatensystem (ETRS89/UTM).

Grenzen: In dicht bebauten Innenstädten, unter Bäumen oder in Wäldern kann der Satellitenempfang gestört sein, sodass ergänzend oder alternativ klassische Tachymeter-Verfahren eingesetzt werden.

Praxisrelevanz für den Makler: GNSS-Vermessung wird typischerweise bei Grenzvermessungen, Gebäudeeinmessungen und Teilungsvermessungen durch den ÖbVI eingesetzt. Für den Makler ist relevant, dass moderne Vermessungen in der Regel sehr genau und rechtssicher sind – Ungenauigkeiten historischer Katasterkarten (teils aus dem 19. Jahrhundert) werden bei Neuvermessung durch GNSS-Verfahren aufgedeckt und korrigiert.

Beispiel aus der Praxis

Ein ÖbVI vermisst die Grenze eines Grundstücks zur Vorbereitung einer Teilungsvermessung. Statt mit Maßband und Theodolit arbeitet er mit einem GNSS-Rover, der über SAPOS-Korrekturdaten die Position jedes Grenzpunkts auf wenige Zentimeter genau bestimmt und direkt digital dokumentiert.

Rechtsgrundlage

Keine eigene Rechtsgrundlage für das Verfahren selbst; die Durchführungsbefugnis und Genauigkeitsanforderungen amtlicher Vermessungen ergeben sich aus den Vermessungs- und Katastergesetzen der Länder.

Verwandte Begriffe