Ziegeldecke
Auch: Ziegelhohlkörperdecke · Tonziegeldecke
Eine Ziegeldecke ist eine Geschossdecke, bei der gebrannte Tonziegel-Hohlkörper als leichte, verlorene Schalung zwischen tragenden Betonrippen oder auf einer Bewehrungslage eingesetzt werden. Nach dem Betonieren bilden Ziegel und Beton einen gemeinsamen, tragenden Deckenquerschnitt.
Ausführliche Erklärung
Ziegeldecken zählen zu den Rippen- bzw. Balkendeckensystemen des Massivbaus und waren vor allem im Gebäudebestand der ersten Hälfte und Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet, etwa als "Ziegelhourdisdecke" oder in Form der Kleinziegel-Rippendecke. Das Prinzip: Zwischen tragenden, bewehrten Betonrippen werden leichte Ziegel-Hohlkörper eingelegt, die selbst kaum Lasten abtragen, aber das Eigengewicht der Decke gegenüber einer vollflächigen Massivbetondecke deutlich reduzieren und gleichzeitig als Schalung für den Aufbeton dienen. Nach dem Erhärten entsteht ein monolithisch wirkendes Deckensystem mit guten Trag- und Dämmeigenschaften.
Für die Bestandsbewertung ist die Ziegeldecke relevant, weil ältere Ausführungen häufig geringere Tragreserven als moderne Stahlbetonvollplatten aufweisen und bei Nutzungsänderungen (z. B. höhere Verkehrslasten, Aufstockung, Einbau von Solaranlagen oder schweren Estrichen) statisch nachgewiesen werden müssen. Zudem können bei älteren Ziegeldecken Rissbildungen an den Fugen zwischen Ziegel und Beton oder Durchbiegungen auftreten, die im Rahmen einer Bauzustandsbewertung zu prüfen sind. Sanierungen erfolgen häufig durch zusätzliche Aufbetonschichten oder Verstärkung mit Kohlefaserlamellen.
Beispiel aus der Praxis
In einem Mehrfamilienhaus aus den 1950er-Jahren stellt der Gutachter bei der Kernbohrung fest, dass die Geschossdecken als Ziegeldecken mit eingelegten Hohlziegeln zwischen Betonrippen ausgeführt sind. Für den geplanten Umbau zu einer Dachgeschosswohnung mit schwererem Estrichaufbau wird deshalb ein Standsicherheitsnachweis durch einen Statiker gefordert.
Rechtsgrundlage
Keine spezielle immobilienrechtliche Rechtsgrundlage. Statische Nachweise erfolgen nach den allgemeinen Regeln des Betonbaus, insbesondere DIN EN 1992 (Eurocode 2) für die Bemessung von Stahlbetontragwerken.