Abwasserleitung
Auch: Entwässerungsleitung · Abflussleitung
Die Abwasserleitung ist Teil der Entwässerungsanlage eines Gebäudes und transportiert Schmutzwasser (aus Küche, Bad, WC) und häufig auch Regenwasser von den Sanitärobjekten und Dachflächen bis zum Anschluss an das öffentliche Kanalnetz oder eine private Entsorgungsanlage.
Ausführliche Erklärung
Abwasserleitungen gliedern sich technisch in Fallleitungen (senkrechte Leitungen zwischen den Geschossen), Anschlussleitungen (Verbindung von einzelnen Sanitärobjekten zur Fallleitung) und Grundleitungen (waagerechte Leitungen im oder unter dem Gebäude bis zum Kanalanschluss). Je nach Art des abgeleiteten Wassers unterscheidet man Schmutzwasser-, Regenwasser- und Mischwasserleitungen.
Die technischen Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb von Abwasserleitungen sind in einem zweistufigen Normensystem geregelt:
- DIN EN 12056: Europäische Norm für Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, unter anderem zur Dimensionierung von Leitungen und zur Bemessungsregenspende.
- DIN 1986-100: Nationale deutsche Ergänzungsnorm, die DIN EN 12056 um länderspezifische Anforderungen ergänzt und darüber hinaus auch die Entwässerung auf dem Grundstück bis zur Grundstücksgrenze regelt, etwa zu Mindestgefälle, Dichtheit und Rückstausicherung.
Für Makler ist bei Bestandsimmobilien vor allem das Alter der Abwasserleitungen relevant: Ältere Steinzeug- oder Gussleitungen können durch Wurzeleinwuchs, Korrosion oder undichte Muffen schadhaft sein, was bei einigen Kommunen eine Dichtheitsprüfung der privaten Abwasserleitungen erforderlich macht. Undichte Leitungen sind ein häufiges Thema bei Bauschäden- und Zustandsbewertungen vor dem Immobilienverkauf.
Beispiel aus der Praxis
Beim Verkauf eines 40 Jahre alten Einfamilienhauses verlangt der Kaufinteressent Einsicht in den letzten Dichtheitsnachweis der privaten Abwasserleitung. Da dieser fehlt, lässt der Verkäufer eine Kamerabefahrung durchführen, die eine schadhafte Muffe in der Grundleitung offenbart – ein Punkt, der in die abschließenden Kaufpreisverhandlungen einfließt.
Rechtsgrundlage
- DIN EN 12056 – Europäische Norm für Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden.
- DIN 1986-100 – Nationale Ergänzungsnorm für Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, einschließlich Anforderungen an Dichtheit und Rückstausicherung.