Primärenergiefaktor

Auch: PE-Faktor · fp-Wert

Der Primärenergiefaktor (auch fp-Wert) ist ein für jeden Energieträger festgelegter Umrechnungsfaktor, mit dem der Endenergiebedarf eines Gebäudes in den Primärenergiebedarf umgerechnet wird. Er bildet ab, wie viel zusätzliche Energie für Gewinnung, Umwandlung und Transport des jeweiligen Energieträgers aufgewendet werden musste.

Ausführliche Erklärung

Der Primärenergiefaktor ist das rechnerische Bindeglied zwischen End- und Primärenergiebedarf und wird in Anlage 4 des GEG für die gängigen Energieträger festgelegt. Für Makler sind vor allem folgende Punkte relevant:

  • Aktuelle Faktoren (Auszug): Netzstrom liegt aktuell bei 1,8 (mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix in den letzten Jahren gesunken), Heizöl und Erdgas bei etwa 1,1, Holzpellets und andere Biomasse bei rund 0,2, Fernwärme variiert stark je nach Erzeugungsart (KWK-Anlagen deutlich günstiger als reine fossile Fernwärmenetze) und ist im jeweiligen Wärmeliefervertrag bzw. Fernwärmezertifikat auszuweisen.
  • Warum das für Bewertungen zählt: Ein niedriger Primärenergiefaktor "belohnt" bestimmte Energieträger rechnerisch, unabhängig vom tatsächlichen Endenergieverbrauch. Das erklärt, warum Gebäude mit erneuerbaren Wärmequellen (Biomasse, Umweltwärme über Wärmepumpen, KWK-Fernwärme) im Energieausweis regelmäßig besser abschneiden als vergleichbare Gebäude mit fossiler Heiztechnik.
  • Relevanz für Fernwärme-Immobilien: Bei Objekten mit Fernwärmeanschluss sollte der Makler den im Fernwärmezertifikat des Versorgers ausgewiesenen Primärenergiefaktor kennen bzw. beim Versorger erfragen können – er schwankt teils erheblich zwischen Netzen (von nahe 0 bei hohem KWK-/erneuerbarem Anteil bis über 1,3 bei überwiegend fossiler Erzeugung).
  • Abgrenzung zum CO2-Emissionsfaktor: Der Primärenergiefaktor bewertet den gesamten Energieaufwand, nicht direkt die CO2-Emissionen – ein Energieträger kann einen niedrigen Primärenergiefaktor, aber dennoch relevante Emissionen verursachen (z. B. Fernwärme aus fossilen Quellen mit hoher Kraft-Wärme-Kopplungsquote).

Beispiel aus der Praxis

Ein Gebäude verbraucht 15.000 kWh Endenergie über eine Gasheizung. Mit dem Primärenergiefaktor von 1,1 für Erdgas ergibt sich ein Primärenergiebedarf von 16.500 kWh. Würde dasselbe Gebäude stattdessen mit Netzstrom (Faktor 1,8) über eine ineffiziente Direktheizung beheizt und dabei dieselbe Endenergiemenge verbrauchen, läge der Primärenergiebedarf bei 27.000 kWh – deutlich schlechter, obwohl der Endenergieverbrauch identisch ist.

Rechtsgrundlage

  • Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 4 – legt die Primärenergiefaktoren der wichtigsten Energieträger verbindlich fest.

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