Scope-1-Emissionen

Auch: direkte Emissionen · Scope 1

Scope-1-Emissionen sind die direkten Treibhausgasemissionen, die unmittelbar auf dem Grundstück oder im Gebäude selbst entstehen – etwa durch das Verbrennen von Erdgas oder Heizöl in einer gebäudeeigenen Heizungsanlage. Sie sind eine von drei Kategorien der international anerkannten Klimabilanzierung nach dem Greenhouse Gas Protocol.

Ausführliche Erklärung

Für Makler, die mit institutionellen Eigentümern, Immobilienfonds oder Unternehmen zu tun haben, gewinnt die Einteilung in Emissions-"Scopes" zunehmend an Bedeutung, da sie zur Standardsprache der ESG-Berichterstattung gehört:

  • Abgrenzung von Scope 1, 2 und 3: Das Greenhouse Gas Protocol unterscheidet direkte Emissionen aus eigenen Quellen (Scope 1), indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2) und alle übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette (Scope 3). Bei Immobilien sind Scope-1-Emissionen typischerweise auf Vor-Ort-Verbrennung fossiler Brennstoffe beschränkt – etwa eine gebäudeeigene Gas- oder Ölheizung, ein Blockheizkraftwerk oder Fahrzeuge des Immobilienunternehmens.
  • Relevanz für Berichtspflichten: Größere Unternehmen, darunter zunehmend auch Immobilien- und Wohnungsunternehmen, müssen im Rahmen der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) ihre Treibhausgasemissionen nach diesem Schema offenlegen. Für Bestandshalter bedeutet das, dass die eigenen Heizsysteme der verwalteten Objekte direkt in die Scope-1-Bilanz einfließen.
  • Praxisrelevanz für Makler: Bei der Vermittlung von Bestandsportfolios an institutionelle Käufer oder Fonds wird zunehmend nach dem CO2-Fußabdruck der Objekte gefragt – der Anteil fossiler Vor-Ort-Verbrennung (Scope 1) ist dabei ein zentraler Hebel, den ein Heizungstausch (z. B. auf Wärmepumpe) unmittelbar senkt, da eine elektrische Wärmepumpe keine direkten Emissionen am Gebäude verursacht, sondern die Emissionen in den Scope-2-Bereich (Strombezug) verschiebt.
  • Unterschied zur reinen Energieausweis-Betrachtung: Während der Energieausweis in erster Linie den Primärenergiebedarf ausweist, zielt die Scope-Systematik auf eine unternehmensweite Klimabilanzierung über den gesamten Immobilienbestand ab und ist vor allem im institutionellen und gewerblichen Kontext relevant.

Beispiel aus der Praxis

Ein Wohnungsunternehmen mit 2.000 Bestandswohnungen ersetzt in zehn Gebäuden die zentralen Gasheizungen durch Wärmepumpen. In der ESG-Berichterstattung sinkt dadurch der Scope-1-Anteil des Unternehmens deutlich, während der Scope-2-Anteil (eingekaufter Strom für die Wärmepumpen) entsprechend steigt – die Gesamtemissionen fallen jedoch insgesamt, da Wärmepumpen deutlich effizienter arbeiten als Verbrennungsheizungen.

Rechtsgrundlage

  • Greenhouse Gas Protocol – internationaler Standard, der die Einteilung in Scope 1, 2 und 3 definiert.
  • Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – verpflichtet betroffene Unternehmen zur Offenlegung ihrer Treibhausgasemissionen nach diesem Schema.

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