Standortanalyse

Auch: Standortbewertung · Lageanalyse

Die Standortanalyse ist die strukturierte Prüfung eines Grundstücks und seiner Umgebung, um zu beurteilen, ob und wie es sich für ein bestimmtes Bauprojekt (Wohnen, Gewerbe, Mischnutzung) eignet. Sie bildet die Entscheidungsgrundlage vor Grundstücksankauf oder Projektentwicklung.

Ausführliche Erklärung

Für Projektentwickler, Bauträger und Investoren ist die Standortanalyse der erste und wichtigste Schritt vor dem Grundstückserwerb (siehe Grundstücksakquisition). Sie kombiniert harte und weiche Faktoren:

Harte (planungsrechtliche und technische) Faktoren:

  • Planungsrecht: Bebauungsplan, § 34 BauGB (Innenbereich) oder § 35 BauGB (Außenbereich), zulässige Geschossflächenzahl (GFZ) und Grundflächenzahl (GRZ)
  • Erschließungszustand (Straße, Kanal, Strom, Wasser, Breitband)
  • Baugrundverhältnisse (Tragfähigkeit, Grundwasser, Altlastenverdacht – siehe Baugrundgutachten)
  • Lärm- und Umweltimmissionen, Denkmalschutz, Naturschutz

Weiche (markt- und lagebezogene) Faktoren:

  • Mikrolage: Nahversorgung, ÖPNV-Anbindung, Schulen, Kitas, Grünflächen
  • Makrolage: Wirtschaftskraft der Region, Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmarkt
  • Wettbewerbsumfeld: bestehendes und geplantes Angebot vergleichbarer Objekte
  • Zielgruppenpassung: Welche Nutzergruppe (Familien, Singles, Senioren, Gewerbe) passt zum Standort?

Für den Makler ist die Standortanalyse doppelt relevant: als Grundlage für die eigene Objektbewertung und -vermarktung sowie als Verkaufsargument gegenüber Bauträgern und Investoren, die Grundstücke suchen. Eine fundierte Standortanalyse mindert das Risiko von Fehlinvestitionen erheblich und beeinflusst maßgeblich die Wirtschaftlichkeitsberechnung eines Projekts.

Beispiel aus der Praxis

Ein Projektentwickler lässt vor dem Ankauf eines Grundstücks in einer Mittelstadt eine Standortanalyse erstellen. Diese ergibt: gute ÖPNV-Anbindung, wachsende Einwohnerzahl, aber ein bereits gesättigter Markt für Eigentumswohnungen im oberen Preissegment. Der Entwickler entscheidet sich daraufhin, statt Eigentumswohnungen geförderten Mietwohnungsbau zu planen.

Rechtsgrundlage

Keine spezielle Rechtsgrundlage. Die Standortanalyse ist ein betriebswirtschaftliches und planerisches Instrument; rechtlich relevant sind lediglich die zugrunde liegenden Normen des Planungsrechts (z. B. §§ 30, 34, 35 BauGB), die im Rahmen der Analyse geprüft werden.

Verwandte Begriffe