Wasserstofffähige Heizung
Auch: H2-Ready-Gasheizung · H2-ready
Eine wasserstofffähige Heizung (H2-ready) ist eine Gasheizung, die zunächst mit Erdgas betrieben wird, aber technisch so konstruiert ist, dass sie später – bei entsprechender Verfügbarkeit eines Wasserstoffnetzes – mit vertretbarem Aufwand auf den Betrieb mit 100 % Wasserstoff umgerüstet werden kann.
Ausführliche Erklärung
Der Einbau einer wasserstofffähigen Heizung ist eine der im Gebäudeenergiegesetz vorgesehenen Erfüllungsoptionen der 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Für Makler ist dieser Begriff vor allem im Kontext von Heizungstausch-Beratungen und der Frage "welche Heizung darf noch eingebaut werden" relevant.
- Rechtliche Voraussetzung (GEG): Der Einbau ist nur zulässig, wenn der zuständige Netzbetreiber verbindlich zusagt, dass die Leitung, an die das Gebäude angeschlossen ist, innerhalb einer bestimmten Frist (regelmäßig gekoppelt an die kommunale Wärmeplanung) auf Wasserstoff umgestellt wird. Ohne eine solche belastbare Umstellungszusage ist der alleinige Einbau als GEG-Erfüllungsoption nicht anerkannt.
- Praxisrealität: Ein flächendeckendes Wasserstoff-Verteilnetz für Wohngebäude existiert in Deutschland bislang nicht und ist regional höchst unterschiedlich absehbar. Käufer und Verkäufer sollten daher wissen, dass eine "H2-ready"-Kennzeichnung des Kessels allein keine Rechtssicherheit für die GEG-Konformität bietet – entscheidend ist die Netzumstellungszusage.
- Technischer Unterschied: H2-ready-Kessel unterscheiden sich baulich kaum von normalen Gas-Brennwertgeräten; die Umrüstung auf reinen Wasserstoffbetrieb erfordert i. d. R. den Austausch von Brennerdüsen, Dichtungen und Regelungstechnik, ist aber deutlich günstiger als ein kompletter Heizungstausch.
- Kombinationspflicht: Wird eine solche Heizung als alleinige Erfüllungsoption genutzt, ist meist eine verbindliche Beratungspflicht und Dokumentation vorgeschrieben, da das Risiko einer verzögerten Netzumstellung beim Eigentümer verbleibt.
- Marktrelevanz: Für die Wertermittlung und Beratung ist wichtig, dass diese Option in den meisten Regionen Deutschlands aktuell theoretischer Natur bleibt und Wärmepumpen oder Fernwärme in der Praxis die deutlich relevanteren Erfüllungsoptionen darstellen.
Beispiel aus der Praxis
Ein Eigentümer in einer Kommune, deren kommunale Wärmeplanung eine Wasserstoffnetz-Umstellung für sein Quartier bis 2035 vorsieht und deren Netzbetreiber dies verbindlich zusagt, lässt eine H2-ready-Gasheizung als Ersatz für den alten Heizkessel einbauen. Bis zur tatsächlichen Netzumstellung läuft die Anlage regulär mit Erdgas.
Rechtsgrundlage
- § 71k GEG – regelt die Voraussetzungen, unter denen eine wasserstofffähige Heizung als Erfüllungsoption der 65-Prozent-Vorgabe anerkannt wird, insbesondere den verbindlichen Fahrplan zur Wasserstoffnetz-Umstellung.
- Wärmeplanungsgesetz (WPG) – Grundlage für die kommunale Wärmeplanung, aus der sich ergibt, ob und wann ein Gebiet auf Wasserstoff umgestellt werden soll.