Hochregallager
Auch: HRL · automatisches Hochregallager
Ein Hochregallager ist eine spezialisierte Lagerimmobilie mit Regalhöhen von häufig über 12 Metern, in der Waren meist automatisiert durch Regalbediengeräte ein- und ausgelagert werden. Es dient der platzeffizienten Lagerung großer Mengen an Paletten oder Behältern.
Ausführliche Erklärung
Hochregallager sind aus wirtschaftlicher Sicht eine Antwort auf steigende Grundstückspreise und den Bedarf nach effizienter Logistik: Statt in die Fläche wird in die Höhe gebaut, oft bis 40 Meter und mehr. Man unterscheidet:
- Silobauweise: Die Regalkonstruktion trägt gleichzeitig die Gebäudehülle (Dach und Wände), das Regal ist tragendes Bauteil.
- Einhausung bestehender Hallen: Das Regal steht innerhalb einer konventionellen Halle, die statisch unabhängig ist.
Für Makler und Investoren sind mehrere Punkte entscheidend:
- Bodentragfähigkeit und Deckenhöhe sind zentrale Wertfaktoren – ein Hochregallager lässt sich nicht ohne weiteres in eine normale Gewerbehalle umnutzen und umgekehrt.
- Brandschutz ist besonders anspruchsvoll: Sprinkleranlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) sowie Regalzwischendeck-Sprinklerung sind bei dieser Bauart oft vorgeschrieben.
- Genehmigungsrechtlich gilt ab bestimmten Höhen und Nutzungen (Lagerklassen nach VdS) eine erhöhte Prüfpflicht durch Bauaufsicht und Brandschutzbehörden.
- Drittverwendungsfähigkeit ist eingeschränkt: Da Hochregallager oft speziell auf den Nutzer zugeschnitten sind (Regalabstände, Fördertechnik), sind sie im Vergleich zu Standardhallen weniger flexibel vermietbar – ein wichtiger Risikofaktor bei der Wertermittlung von Logistikimmobilien.
- Energie- und Betriebskosten durch Klimatisierung, Beleuchtung und Fördertechnik sind in die Nebenkostenkalkulation einzubeziehen.
In der Praxis werden Hochregallager häufig langfristig (10-15 Jahre) an Logistikdienstleister oder Industrieunternehmen vermietet, was sie für institutionelle Investoren als Anlageklasse interessant macht.
Beispiel aus der Praxis
Ein Logistikdienstleister errichtet für einen Onlinehändler ein 35 Meter hohes, vollautomatisiertes Hochregallager mit Regalbediengeräten und angeschlossenem Kommissionierbereich. Der Mietvertrag läuft über 15 Jahre mit Verlängerungsoption, da eine Drittverwendung der hochspezialisierten Anlage kaum möglich wäre.
Rechtsgrundlage
- Baunutzungsverordnung (BauNVO) – Einordnung als Gewerbe-/Industriegebietsnutzung.
- Landesbauordnungen – bauordnungsrechtliche Anforderungen an Höhe, Brandschutz, Fluchtwege.
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) – Anforderungen an Regalbediengeräte und automatisierte Anlagen.
- Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR) und VdS-Richtlinien für Brandschutz in Lagerhallen.