Lehmbau
Auch: Lehmbauweise
Lehmbau bezeichnet eine jahrtausendealte Bauweise, bei der Lehm – ein Gemisch aus Ton, Schluff und Sand – als Hauptbaustoff für Wände dient. Der Baustoff wird gestampft, in Form von Lehmsteinen vermauert oder als Putz und Ausfachung verwendet und erlebt aktuell als ökologischer Baustoff eine Renaissance.
Ausführliche Erklärung
Für Makler ist Lehmbau vor allem bei älteren Bestandsgebäuden (Fachwerkhäuser, historische Hofstellen) und zunehmend bei ökologisch orientierten Neubauten relevant. Wichtige Unterarten sind der Stampflehmbau (Lehm wird in Schalungen verdichtet), der Lehmziegelbau (ungebrannte Lehmsteine, siehe Adobebau) und der Leichtlehmbau (Lehm mit Zuschlagstoffen wie Stroh oder Holzspänen gemischt, geringeres Gewicht, bessere Dämmwirkung).
Bauphysikalisch überzeugt Lehm durch hohe Wärmespeicherfähigkeit, feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften (Lehm nimmt Wasserdampf auf und gibt ihn wieder ab, was ein ausgeglichenes Raumklima fördert) und guten Schallschutz durch seine Masse. Nachteile sind eine begrenzte Tragfähigkeit ohne zusätzliche Verstärkung, Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit im Sockelbereich sowie ein im Vergleich zu modernen Dämmstoffen geringerer reiner Wärmedämmwert, der oft durch zusätzliche Dämmschichten ausgeglichen werden muss.
Für die Vermarktung wichtig: Lehmbauten benötigen fachgerechte Sanierung (kein zementhaltiger Putz, der Feuchte einschließt), was Sanierungskosten und die Auswahl geeigneter Handwerksbetriebe beeinflusst. Bei der Energieausweiserstellung sind die realen bauphysikalischen Eigenschaften von Lehm zu berücksichtigen, da Standardberechnungen ihn oft unterbewerten. Normativ ist Lehmbau seit 2013 durch die DIN 18945 bis 18947 (Lehmsteine, Lehmmauermörtel, Lehmputzmörtel) sowie die Lehmbau Regeln des Dachverband Lehm e.V. geregelt, was die bauaufsichtliche Anerkennung deutlich erleichtert hat.
Beispiel aus der Praxis
Ein Makler vermarktet ein sanierungsbedürftiges Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert mit Lehmausfachungen. Er weist den Interessenten darauf hin, dass die Wände atmungsaktiv bleiben müssen und ein Sanierungsbetrieb mit Lehmbau-Erfahrung beauftragt werden sollte, da falsche Materialien (z. B. Dispersionsfarbe) die bauphysikalischen Vorteile zunichtemachen und Feuchteschäden verursachen können.
Rechtsgrundlage
- DIN 18945, 18946, 18947 – Technische Regeln für Lehmsteine, Lehmmauermörtel und Lehmputzmörtel.
- Lehmbau Regeln (Dachverband Lehm e.V.) – anerkannte Regel der Technik, oft als bauaufsichtliche Grundlage herangezogen.
- Keine eigenständige gesetzliche Sonderregelung; Lehmbauten unterliegen den allgemeinen Vorschriften der Landesbauordnungen.