Verdunstungs-Heizkostenverteiler
Auch: Verdunstungsprinzip-HKV · Röhrchen-Heizkostenverteiler
Verdunstungs-Heizkostenverteiler sind Geräte an Heizkörpern, die den Wärmeverbrauch mithilfe der Verdunstung einer Messflüssigkeit in einem kleinen Röhrchen erfassen. Je stärker der Heizkörper genutzt wird, desto mehr Flüssigkeit verdunstet – die verbleibende Füllhöhe dient als Grundlage für die Verbrauchsabrechnung.
Ausführliche Erklärung
Für Makler ist das Verdunstungsprinzip vor allem bei älteren Bestandsimmobilien relevant, da es lange Jahre der Branchenstandard war, mittlerweile aber zunehmend durch elektronische Systeme ersetzt wird.
- Funktionsweise: Ein kleines Glasröhrchen mit spezieller Messflüssigkeit ist am Heizkörper angebracht. Durch die Wärmeabgabe verdunstet die Flüssigkeit über die Heizperiode; die abgelesene Restfüllhöhe zu einem Stichtag ergibt in Kombination mit einem geräte- und heizkörperspezifischen Bewertungsfaktor die Verbrauchseinheiten.
- Ablesung: Klassisch erfolgt die Ablesung einmal jährlich manuell durch einen Ableser des Messdienstleisters; moderne Nachfolgemodelle sind mit Funkmodulen für die Fernablesung ausgestattet.
- Nachteile: Verdunstungs-Heizkostenverteiler gelten als messtechnisch ungenauer als elektronische (kapazitive) Heizkostenverteiler, da Umgebungstemperatur und Einbauort das Messergebnis beeinflussen können. Streitigkeiten über die Plausibilität der Abrechnung werden häufig anhand der VDI 2077 geklärt.
- Umrüstungspflicht: Wegen der gesetzlichen Pflicht zur Fernablesbarkeit (§ 5 HeizkostenV, verschärft seit der Novelle 2021) mussten nicht fernablesbare Verdunstungsgeräte bis spätestens Ende 2026 nachgerüstet oder ausgetauscht werden; seit 2027 sind ausschließlich fernablesbare Systeme zulässig.
- Praxisrelevanz: Beim Immobilienverkauf oder bei der Verwaltungsübernahme sollte geprüft werden, ob noch klassische, nicht fernablesbare Verdunstungsgeräte verbaut sind, da hier Investitionsbedarf und ggf. Bußgeldrisiko bestehen.
Beispiel aus der Praxis
In einem älteren Mehrfamilienhaus sind an jedem Heizkörper kleine Röhrchen mit einer rötlichen Messflüssigkeit angebracht. Der Ableser des Messdienstes liest einmal jährlich die verbleibende Füllhöhe ab und errechnet daraus zusammen mit dem Bewertungsfaktor des Heizkörpers die individuellen Verbrauchskosten der Wohnung.
Rechtsgrundlage
- § 5 HeizkostenV – Vorgaben zur Ausstattung mit Erfassungsgeräten und zur verpflichtenden Fernablesbarkeit seit 2022 bzw. spätestens ab 2027.
- Ergänzend gilt die VDI 2077 als technischer Bewertungsmaßstab zur Plausibilitätsprüfung, hat jedoch selbst keinen Gesetzescharakter.