Ringanker

Auch: Ringbalken

Der Ringanker ist ein umlaufendes, statisch wirksames Bauteil – meist aus bewehrtem Stahlbeton –, das auf Höhe der Geschossdecken oberhalb der tragenden Wände angeordnet wird, um das Mauerwerk auszusteifen und Zug- sowie Schubkräfte aufzunehmen.

Ausführliche Erklärung

Mauerwerk kann Druckkräfte gut, Zug- und Biegekräfte dagegen kaum aufnehmen. Der Ringanker gleicht diese Schwäche aus: Er verläuft geschlossen rund um das Gebäude auf Höhe jeder Geschossdecke und verbindet die Außen- und Innenwände zu einem stabilen, in sich verspannten System. Dadurch werden ungleichmäßige Setzungen, Temperaturbewegungen und horizontale Lasten (etwa aus Wind oder Erdbeben) gleichmäßiger verteilt und Rissbildung im Mauerwerk vermindert. Nach den einschlägigen Regeln des Mauerwerksbaus (Eurocode 6, DIN EN 1996-1-1 mit zugehörigem Nationalem Anhang) ist ein Ringanker insbesondere bei mehrgeschossigen Gebäuden, größeren Gebäudelängen, großen Wandöffnungen oder ungünstigen Baugrundverhältnissen vorzusehen; die konkreten Anwendungsregeln dazu ergeben sich aus dem Nationalen Anhang bzw. früher aus DIN 1053, nicht aus dem Eurocode-Grundtext allein.

Konstruktiv wird der Ringanker meist als Stahlbetonbalken ausgeführt und häufig gleich mit der Wärmedämmung kombiniert (Ringankerdämmung), um eine Wärmebrücke an dieser Stelle zu vermeiden. Für Makler ist der Ringanker vor allem im Rahmen der Bauzustandsbeschreibung relevant: Fehlt er bei älteren Bestandsgebäuden oder ist er unzureichend dimensioniert, kann dies ein Hinweis auf Risssanierungsbedarf oder erhöhten Ertüchtigungsaufwand bei einer Aufstockung sein.

Beispiel aus der Praxis

Beim Ausbau eines Dachgeschosses stellt der Statiker fest, dass das bestehende Mauerwerk keinen ausreichenden Ringanker aufweist. Vor dem geplanten Dachgeschossausbau muss daher nachträglich ein Ringanker eingebaut werden, um die zusätzlichen Lasten sicher abzutragen.

Rechtsgrundlage

Keine spezielle gesetzliche Rechtsgrundlage; maßgeblich sind die anerkannten Regeln der Technik im Mauerwerksbau (insbesondere DIN EN 1996-1-1 mit Nationalem Anhang).

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