Silobau

Auch: Silobauweise · Silobauwerk

Silobau bezeichnet die Errichtung von Silos – turmartigen, meist zylindrischen oder mehrzelligen Speicherbauwerken aus Stahlbeton oder Stahl, die zur Lagerung von Schüttgütern (z. B. Getreide, Zement, Kies) oder Flüssigkeiten dienen. Wegen ihrer großen Höhe werden Silos häufig in kontinuierlicher Gleitschalungsbauweise errichtet.

Ausführliche Erklärung

Silobauwerke zählen zu den Sonderbauwerken des Ingenieurhochbaus. Konstruktiv bestehen sie meist aus dünnwandigen, hoch bewehrten Stahlbetonwänden, die enorme Horizontallasten aus dem Schüttgutdruck (Silodruck) sowie Eigengewicht und Windlasten aufnehmen müssen. Wegen der großen Bauhöhen – oft 20 bis 50 Meter und mehr – wird beim Silobau häufig die Gleitschalung eingesetzt: Eine sich kontinuierlich nach oben bewegende Schalungskonstruktion ermöglicht ein durchgehendes Betonieren ohne Arbeitsfugen, was Bauzeit spart und homogene, dichte Wandoberflächen erzeugt.

Typische Anwendungsfälle sind landwirtschaftliche Getreidesilos, Zementwerke, Kies- und Splittwerke sowie Industrieanlagen mit Schüttgutlogistik. Für die Immobilienbewertung sind Silobauten meist als hochspezialisierte Industrieimmobilien einzuordnen, deren Nachnutzungspotenzial bei Betriebsaufgabe oft eingeschränkt ist – Umnutzungen zu Wohn- oder Büroraum (etwa bekannte "Siloliving"-Projekte) sind möglich, erfordern aber wegen der massiven, oft fensterlosen Wandkonstruktion erheblichen baulichen Aufwand. Baurechtlich fallen große Silobauwerke wegen ihrer Höhe und besonderen Nutzung regelmäßig unter die landesrechtlichen Sonderbautatbestände mit entsprechend erhöhten Anforderungen an Standsicherheit, Brandschutz und Prüfpflichten.

Beispiel aus der Praxis

Ein Landwirtschaftsbetrieb errichtet für die Getreidelagerung ein 30 Meter hohes Stahlbetonsilo in Gleitschalungsbauweise. Nach Betriebsaufgabe Jahrzehnte später prüft ein Investor die Umnutzung des Silos zu Loft-Wohnraum, muss dafür jedoch aufwendig Fensteröffnungen in die tragenden Wände einbringen lassen.

Rechtsgrundlage

  • DIN EN 1991-4 (Eurocode 1, Teil 4) – Einwirkungen auf Silos und Flüssigkeitsbehälter, Bemessungsgrundlage für Silodruck.

Keine spezielle immobilienrechtliche Rechtsgrundlage; große Silobauwerke unterliegen wegen ihrer Höhe und Nutzung häufig den Sonderbautatbeständen der Landesbauordnungen.

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